Rudolf Bullerjahn (1856 - 1911)

Jurist

Gedenktafel

13.1.1856 Berlin - 7.1.1911 Moskau (nach dem julianischen Kalender am 25.10.1910). Zu Unrecht gilt Rudolf Bullerjahn bis heute in Göttingen als verkrachte Existenz und unfähiger Musiker: Tatsächlich erhielt er in Berlin eine gründliche musikalische Ausbildung in Violinspiel (Meisterklasse Joseph Joachims), Komposition und Dirigat. 1882 wurde er Solist in der Meininger Hofkapelle unter Hans von Bülow, 1886 Städtischer Musikdirektor in Göttingen. Mit seinen Orchestermusikern, deren Gehälter er aus seinem Privatvermögen aufbringen musste, brachte er sowohl die damals modernen Komponisten (Richard Wagner) als auch die leichte Muse der Strauß-Familie, Joseph Lanners und anderer zur Aufführung. Da der Göttinger Magistrat sich weigerte, für eine ausreichende finanzielle Ausstattung des Orchesters zu sorgen, kündigte Bullerjahn 1890 seine Anstellung auf. 1891 nahm er seinen Wohnsitz in Moskau und reiste fortan als angesehener Konzertdirigent durch Russland. 1897 gründete er in Kiew die noch heute stattfindenden Sommer-Symphonie-Konzerte. Konzerttourneen führten ihn 1892 und 1902/03 in die Vereinigten Staaten, 1910 nach Brüssel. Er dirigierte Uraufführungen von Werken Sergej Rachmaninows und die russische Erstaufführung des »Deutschen Requiems« von Johannes Brahms. Sein Andenken in Göttingen blieb jahrzehntelang im studentischen Liedgut vom »Direktor Bullerjahn« gewahrt.

Die vom Göttinger Generalmusikdirektor Christian Simonis beantragte Gedenktafel wurde am 22. April 2002 enthüllt.

(Beispieltext aus dem Buch "Göttinger Gedenktafeln")

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